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Donnerstag, 19. Juni 2014

Abseits

Rüstungs-Geschäfte sind ja in der Regel eine nicht so populäre Angelegenheit - vor allem, wenn sie mit Staaten abgeschlossen werden, in denen das mit den Menschenrechten so eine Sache ist. Warum also nicht die Zeit nutzen, in der die ersten acht Seiten jeder Zeitung mit Spielberichten und WM-Gute-Laune-Bildern gefüllt sind scheint sich die Bundesregierung zu denken. Ein hervorragender Plan, den so werden wohl nicht allzu viele Nchfragen aufkommen, wie den die Ankündigung Sigmar Gabriels Rüstungsexporte zukünftig "restriktiver zu handhaben" mit der Lieferung von 980 Panzern nach Algerien zu vereinbaren ist. Und das als kleine Zugabe gleich noch eine ganze Fabrik mitgeliefert werden soll, in der das Kriegsgerät direkt dort gebaut werden kann, wo es benötigt wird, darüber verhandelt es sich doch viel entspannter, wenn die Tagesschau zur Hälfte mit Fußballberichten gefüllt ist.

Dienstag, 17. Juni 2014

Blitz-Demokratie

Gestern ist auch das deutsche Team in die Weltmeisterschaft gestartet und die politische Führung ist ganz nah dran: Angie auf der Tribüne, Angie beim Torjubel und Angie in der Mannschaftskabine umringt von leichtbekleideten Fußballspielern - bereits zum fünften Mal nach den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 und den Europameisterschaften 2008 und 2012 wird das Wahlvolk mit diesen sorgfältig inszenierten Bildern versorgt. Es wird der Eindruck vermittelt, dass auch die Politik in diesen Wochen nichts anderes im Sinn hat als Fußball und Schland. An dieser Stelle lohnt sich ein exakt 57 Sekunden langer Blick zurück ins Jahr 2012:

Mittwoch, 4. Juni 2014

Das FIFA Gesetz

Wenn man sich das Geschäftsgebaren der FIFA in den Austragungsländern während der Fußball-Weltmeisterschaften anschaut, dann kommt man schnell zu der Frage: auf welches Recht stützt sich dieses Vorgehen? Auf welcher Grundlage kann zum Beispiel durchgesetzt werden, dass innerhalb einer Bannmeile um die Stadien herum nur die Premiumsponsoren der FIFA auftreten dürfen? Warum darf Budweiser (natürlich ein Premium-Sponsor) während der WM Bier in den Stadien verkaufen, obwohl der Verkauf alkoholhaltiger Getränke in brasilianischen Fußballstadien eigentlich verboten ist? Warum können Marketing-Aktivitäten von Unternehmen, die keine Premium-Sponsoren sind strafrechtlich verfolgt werden? Und vor allem: warum werden all diese von der FIFA formulierten Ansprüche vor Ort von den Behörden umgesetzt?

Donnerstag, 29. Mai 2014

Weihnachten 2014 TM

Ein amüsantes Detail am Rande: die FIFA hat sich ja eine umfassende Liste an Begriffen  -  "Copa do Mundo de 2014", "Copa do Mundo da FIFA Brasil 2014" oder auch einfach nur "Copa" - für ihr Weltmeisterschaftsmarketing schützen lassen. Zusätzlich dazu sind aber auch die Namen der Austragungsorte geschützte Marken, wie "Rio de Janeiro 2014" oder "São Paulo 2014". Nun ist einer der Austragungorte die Stadt Natal im Nordosten Brasiliens. Folglich ist der FIFA das Trademark "Natal 2014" gesichert. Und da Natal das Portugisische Wort für Weihnachten ist, besitzt die FIFA bis Ende des Jahres in Brasilien die Vermarktungsrechte an "Weihnachten 2014" [1]


[1] World Cup 2014: at the Brazil finals a goggle-eyed man will be king (Guardian)



Im Dienste der Politik

Ganz nach dem großen Vorbild Pele lässt sich Ronaldo in seiner Funktion als WM-Botschafter von der Politik einspannen. Hinsichtlich der Verzögerten Fertigstellung von Stadien und Infrastruktur äußert er:
Die Menschen sollten verstehen: Es liegt an der Regierung. Die Regierung, die sie selbst gewählt haben. Es hat nichts mit Fußball oder der Weltmeisterschaft zu tun. [1]
Nicht nur, dass das nach einem Hinweiß klingt, diese Regierung bei den Wahlen im Herbst nicht wieder zu wählen, es diffamiert auch die Motive der Proteste gegen die Weltmeisterschaft: nicht der organisatorische Misserfolg wird kritisiert, sondern die Tatsache, dass überhaupt derart gigantische Mengen öffentlichen Geldes für ein Prestigeprojekt aufgewendet werden.

[1] Auch solche Aussagen werden von der hisigen Presse unreflektiert wieder-gegeben. Aber auch diese Zeitung ist eben scheiße.



Donnerstag, 15. Mai 2014

Exklusives Vokabular



Wenn ihr diese ZDF-Repo angeschaut habt, die ich zuletzt rumgeschickt habe, dann habt ihr ja einen recht guten Eindruck von der Selbstverständlichkeit, mit der sich die FIFA von den Ausrichtern einer Weltmeisterschaft die Rahmenbedingungen nach ihrem Gusto zurechtbiegen lässt. Neben der garantierten Steuerfreiheit geht es dabei meist um den Schutz der sogenannten Premium-Sponsoren. Dass sich das nationale Recht der Austragungsländer dabei den Zielen der FIFA unterordnen muss ist dabei wohl eher die Regel, als die Ausnahme.
 
Ein besonders absurdes Beispiel habe ich heute gefunden: die FIFA hat 2010 erwirkt, dass der brasilianische Senat ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, dass der FIFA ermöglicht den Begriff "Copa do Mundo da FIFA Brasil 2014", sowie 44 ähnliche Bezeichnungen für die Dauer der Weltmeisterschaft, sowie 30 Tage darüber hinaus exklusiv zu nutzen, bzw. dessen Nutzung zu kontrollieren. Für alle anderen Nutzungen, die über die Verwendung im redaktionellen Sinne hinausgehen, ist damit eine Autorisierung durch die FIFA nötig. De facto darf man diese Begriffe in den nächsten Wochen in Brasilien also nur verwenden, wenn man Premium-Sponsor der WM ist. Hier die ganze Liste der geschützten Begriffe.