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Dienstag, 10. Juni 2014

Sepp Blatter gegen Rassismus

Während sich in den Straßen Sao Paulos das Chaos zum Eröffnungsspiel anbahnt, übt sich Sepp Blatter in klimatisierten Konferenzräumen im Krisenmanagement. Und seine Strategie verdient dabei keine anderes Attribut als: genial. Auf Meetings mit den Vertretern der afrikanischen und der asiatischen Fußballverbände erklärte er, dunkle Mächte versuchten die FIFA zu zerstören - man müsse in dieser schweren Stunde zusammenhalten. Unter seiner Führung versteht sich.

Montag, 9. Juni 2014

Franz Beckenbauer ist unschuldig!

Ich bin ja nach wie vor sicher, dass die WM 2022 nicht neu vergeben wird. Und auch die entscheidenden Beweise, dass Franz Beckenbauer involviert war in Korruption und Schiebung werden wohl am Ende nicht gefunden und wenn doch, dann hat er das alles nicht mit absicht gemacht. Wir erinnern uns: Uli Hoeneß hat er vor dessen Verhandlung verteidigt indem er ihm Vergeßlichkeit unterstellt hat. Also, die WM kommt in die Wüste, ein paar (ausgesuchte und minderwichtige) Köpfe werden rollen und sonst bleibt alles beim Alten.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Das FIFA Gesetz

Wenn man sich das Geschäftsgebaren der FIFA in den Austragungsländern während der Fußball-Weltmeisterschaften anschaut, dann kommt man schnell zu der Frage: auf welches Recht stützt sich dieses Vorgehen? Auf welcher Grundlage kann zum Beispiel durchgesetzt werden, dass innerhalb einer Bannmeile um die Stadien herum nur die Premiumsponsoren der FIFA auftreten dürfen? Warum darf Budweiser (natürlich ein Premium-Sponsor) während der WM Bier in den Stadien verkaufen, obwohl der Verkauf alkoholhaltiger Getränke in brasilianischen Fußballstadien eigentlich verboten ist? Warum können Marketing-Aktivitäten von Unternehmen, die keine Premium-Sponsoren sind strafrechtlich verfolgt werden? Und vor allem: warum werden all diese von der FIFA formulierten Ansprüche vor Ort von den Behörden umgesetzt?

Dienstag, 3. Juni 2014

Keine Beweise


Einen umfangreiche Einschätzung der Vorgänge rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 in Katar gibt es von Jens Weinreich.* Vor allem die Rolle von Mohamed bin Hammam in der FIFA wir dargestellt, zum Beispiel wie der einst kräftig mithalf Sepp Blatter ins Amt des FIFA-Präsidenten zu kaufen. Sehr lesenswert.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Weihnachten 2014 TM

Ein amüsantes Detail am Rande: die FIFA hat sich ja eine umfassende Liste an Begriffen  -  "Copa do Mundo de 2014", "Copa do Mundo da FIFA Brasil 2014" oder auch einfach nur "Copa" - für ihr Weltmeisterschaftsmarketing schützen lassen. Zusätzlich dazu sind aber auch die Namen der Austragungsorte geschützte Marken, wie "Rio de Janeiro 2014" oder "São Paulo 2014". Nun ist einer der Austragungorte die Stadt Natal im Nordosten Brasiliens. Folglich ist der FIFA das Trademark "Natal 2014" gesichert. Und da Natal das Portugisische Wort für Weihnachten ist, besitzt die FIFA bis Ende des Jahres in Brasilien die Vermarktungsrechte an "Weihnachten 2014" [1]


[1] World Cup 2014: at the Brazil finals a goggle-eyed man will be king (Guardian)



Dienstag, 27. Mai 2014

Geldkarussell

Im Bezug auf die Fußball-Weltmeisterschaft wird gerne geschrieben, sie sei eine Gelddruckmaschine. Und dass sie für die Gastgeberländer einen immensen finanziellen Aufwand bedeutet. Die Graphik zeigt für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika die Bilanz der FIFA, des Organisationskommites in Südafrika (OK) und die Kosten für die sechs Stadien, die für die Weltmeisterschaft neu errichtet worden sind. Alle Beträge sind in USD angegeben.


[1-7]    tom, CC by 4.0


Der Gewinner der Geldverteilung ist - wenig überraschend - die FIFA.

Donnerstag, 22. Mai 2014

United Passions



Pünktlich zur Weltmeisterschaft läuft in Cannes der Film "United Passions" an, der die Geschichte der FIFA nachzeichnet. Das nötige Kleingeld zur Finanzierung der Aufwändigen Besetzung (Gérard Depardieu, Sam Neill, Tim Roth) steuert die FIFA selbst bei: vom rund 23 Mio € betragenden Etat stammen knapp 20 Mio € aus der gut gefüllten Kasse des Weltverbandes. 
Damit ist dieses kitschige Propagandastück rund zehnmal so teuer wie der Jahresetat des "Football for hope"-Projekts mit dem sich die FIFA gerne zur Wohltätigkeitsorganisation stilisiert.


Mittwoch, 21. Mai 2014

Zwangsräumungen & soziale Verantwortung



Die FIFA stilisiert sich und ihre WM ja gerne zur sozialen Institution. Mit bunten Kampagnen wird an einem Image gearbeitet, dass den globalen Fußball zur Weltverbesserungsinstitution erhebt. Das ganze trägt dann so schöne Namen wie "Footballfor hope" und soll demonstrieren, dass man Verantwortung übernimmt. Dass der Etat dieses Programm mit 3,1 Mio USD nur etwa ein Promille des erwarteten Gewinns der anstehenden WM beträgt, muss ja nicht unbedingt an die große Glocke gehangen werden.
Ob allerdings die Opfer der im Vorfeld der Weltmeisterschaft durchgeführten Zwangsumsiedlungen - es handelt sich dabei überwiegend um sozialschwache Bewohner der Stadion-nahen Favelas - von derlei Programmen profitieren werden, dass darf dann doch bezweifelt werden. Wie vor vier Jahren in Südafrika wurden scheinbar zehntausende gegen ihren Willen über Nacht aus ihren Häusern vertrieben um anschließend in Barackensiedlungen weit abseits ihres ursprünglichen sozialen Umfeldes interniert zu werden. Das dabei vor allem - ähnlich der im Rahmen der OlympischenSpiele 2012 in London durchgeführten Gentrifizierung - eine gezielte Stadtentwicklung für die besser gestellten Schichten vorangetrieben wird, ist im Bericht von Amnesty International dargelegt.
Die Auffassung, dass die Austragung der Weltmeisterschaft für die Bevölkerung Brasiliens eine großartige Entwicklungsmöglichkeit darstellt, wird angesichts dieser Vorgänge endgültig zur Farce und das sogenannte soziale Engagement der FIFA zu dem was es wirklich ist: eine PR-Kampagne zur Imagepolitur.


P.S.: bizarrerweise gibt es tatsächlich Medien in Deutschland, die diese FIFA-Propagange unreflektiert wiedergeben. Aber das dieses Magazin ziemlicher Müll ist, dass ist ja nicht neu.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Exklusives Vokabular



Wenn ihr diese ZDF-Repo angeschaut habt, die ich zuletzt rumgeschickt habe, dann habt ihr ja einen recht guten Eindruck von der Selbstverständlichkeit, mit der sich die FIFA von den Ausrichtern einer Weltmeisterschaft die Rahmenbedingungen nach ihrem Gusto zurechtbiegen lässt. Neben der garantierten Steuerfreiheit geht es dabei meist um den Schutz der sogenannten Premium-Sponsoren. Dass sich das nationale Recht der Austragungsländer dabei den Zielen der FIFA unterordnen muss ist dabei wohl eher die Regel, als die Ausnahme.
 
Ein besonders absurdes Beispiel habe ich heute gefunden: die FIFA hat 2010 erwirkt, dass der brasilianische Senat ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, dass der FIFA ermöglicht den Begriff "Copa do Mundo da FIFA Brasil 2014", sowie 44 ähnliche Bezeichnungen für die Dauer der Weltmeisterschaft, sowie 30 Tage darüber hinaus exklusiv zu nutzen, bzw. dessen Nutzung zu kontrollieren. Für alle anderen Nutzungen, die über die Verwendung im redaktionellen Sinne hinausgehen, ist damit eine Autorisierung durch die FIFA nötig. De facto darf man diese Begriffe in den nächsten Wochen in Brasilien also nur verwenden, wenn man Premium-Sponsor der WM ist. Hier die ganze Liste der geschützten Begriffe.

Dienstag, 13. Mai 2014

Das Fußball-Imperium

Vor einigen Wochen lief im ZDF eine recht sehenswerte Reportage über die FIFA, deren Geschäftspraktiken und die Auswirkungen davon auf die Weltmeisterschaft in Brasilien (2014) und in Katar (2022). Auch wenn man nicht viel erfährt, was nicht schon an anderer Stelle geschrieben worden wäre, bekommt man dennoch einen guten Überblick über die Strukturen und die Arbeitsweisen des Weltverbandes, die mit "mafiös" wahrscheinlich noch freundlich umschrieben sind.
Interessant ist, dass in dem Film ein Originaldokument der FIFA präsentiert wird, dass deren Anforderungskatalog an die WM-Ausrichterländer enthält, der unter anderem die Zusicherung absoluter Steuerfreiheit für die erwirtschafteten Gewinne beinhaltet.
Ein anderer Teil des Films beschäftigt sich mit der WM 2022 in Katar und den Arbeits- und Lebensbedingungen der versklavten nepalesischen Bauarbeiter auf den Baustellen der Stadien. Hier wird ein bisschen investigativer Journalismus vorgetäuscht - die Vorgänge wurden schon acht Monate zuvor hier veröffentlicht.
Trotzdem: informativer Film!